Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

Log in
updated 10:22 PM UTC, Nov 29, 2021

Glückwünsche zu Weihnachten

Glückwünsche zu Weihnachten
von Br. Robert Genuin
Generalminister der Minderen Brüder Kapuziner

 

Herunterladen

PDF Tedesco

 

Weihnachtswünsche - Video in Italienisch

 

Weihnachten 2020

Liebe Brüder

Als wir gestern Abend die Kapelle der Kurie betraten, stiessen wir auf etwas besonders Originelles, was mich sehr betroffen machte. Einer unserer Brüder, der sich auf solche Dinge versteht, hatte beim Eingang eine kleine Aufrüstung bereit gestellt. Für gewöhnlich rüsten wir zu dieser Zeit die Krippen auf. Auch unsere Krippe an der Kurie steht im Chorraum bereit. Und dann in der Nacht von Weihnachten legt man das Kind in die Krippe, an Epiphanie kommen die heiligen drei Könige hinzu… Die Überraschung dieses Jahres bestand darin, dass die Aufrüstung beim Betreten der Kapelle den drei Magiern gewidmet ist, die sich auf den Weg gemacht haben, um das Kind zu finden, das geboren werden soll.

Ich denke, dass jeder von uns dem Herrn schon einmal begegnet ist, und jeder bemüht sich, ihm noch häufiger zu begegnen, ihn noch besser kennen zu lernen.

Zu den schönsten Dingen, die wir im Leben unserer Gemeinschaft erfahren können, zu den Dingen, die uns Kraft und Geschmack geben, gehört es, wenn wir Brüdern begegnen, die mit uns unterwegs sind und sich alle bemühen, dem Herrn noch näher zu begegnen. Das ist auch eine der interessantesten Erfahrungen, die wir an der Kurie machen: bei all unserer Gebrechlichkeit, und ganz offensichtlich auch bei unseren Grenzen und Sünden ist es dennoch schön zu sehen, wie sehr sich ein jeder bemüht, den Herrn noch tiefer und gründlicher zu begegnen. Darauf kommt es an und das ist mehr als alles andere.

Die Überraschung von Weihnachten ist, dass wir am Ende unseres Suchens ihn finden, genau so wie die Magier, die dem Stern folgten, das Kind gefunden haben. Es ist tatsächlich die grosse Überraschung, dass auch er uns gesucht hat. Jedesmal, wenn wir ihn finden, treffen wir auf ihn als einen Freund, der uns schon zuvorgekommen ist. Das ist einfach schön: der Herr geht uns ständig voraus, weil er uns begegnen will. Er hat sich zu einem Kind und einem Menschen gemacht, zu einem Menschen dieser Erde; er bemüht sich, Beziehung zu uns aufzunehmen, er bemüht sich um den Dialog mit uns.

Der Dialog, den Jesus mit mir sucht, macht mich in den Augen Gottes interessant, sagt mir, dass es für mich eine sichere Schulter gibt, auf die ich mich abstützen kann, dass es von Seiten Gottes ein sicheres Wohlwollen gibt. Zugleich lässt es mich bedenken: wenn Gott für mich kommt und mir vorausgeht, um mir zu begegnen, dann macht er dasselbe nicht nur für mich, sondern für jeden von uns.

Während er mir die Sicherheit gibt, mir gegenüber wohlwollend zu sein und vom Herrn geliebt, weist er mir auch den Weg, ihm noch inniger zu begegnen. Und er gibt mir auch den Hinweis, dass ich, soweit ich es kann, dasselbe tue, dass ich auch mit meinen Brüdern, überhaupt mit allen Menschen, so umgehe.

Es ist gerade die Kleinheit des Kindes, die mir sagt, dass der Herr bereit ist, sich von allen aufnehmen zu lassen. Es kommt nicht auf den Weg an, den einer gegangen ist, es kommt nicht auf die Titel an, über die er verfügt, es ist nicht wichtig, wie gross sein Glaube ist, es ist auch nicht wichtig, um welchen Glauben es sich handelt! Der Herr kommt und will jedem Menschen begegnen. Diese Aussagen sind genau auf der Linie - wir können ihn nie genug loben - die der Papst uns in den letzten Jahren näher bringen möchte, gemeint ist die Offenheit, die der Herr einem jeden von uns gegenüber zeigt, und die Offenheit, die jeder von uns gegenüber allen Menschen haben sollte. Es scheint wirklich so zu sein, dass das, was der Papst uns nahebringen will, ganz eng zusammenhängt mit der Art und Weise, wie wir unsere Beziehung zum Herrn sehen, ganz nahe bei der franziskanischen Sensibilität. Das sollte uns alle mutig machen.

Ein ganz besonderes Jahr liegt hinter uns. Nach einer gewissen Erschütterung in den ersten Monaten, ist der Orden keineswegs stehen geblieben. Es gibt viele Zeichen dafür, dass der Orden weiter gegangen ist. Zum Beispiel: Wir fahren wenn auch in anderer Weise fort, den Armen zu dienen. Es macht uns Freude, wenn wir die Bilder sehen und die Erzählungen so vieler unserer Brüder in Asien, Afrika, Lateinamerika… hören. Fotos, die zeigen, wie sie Lebensmittel und Sanitätsmaterial in die zerstreuten Ortschaften bringen, zu Leuten, zu denen keine Hilfe gelangt. Es ist etwas ganz Schönes! Wer sich dem Stil Gottes annähert, der nähert sich auch uns. Auf diese Weise erneuert sich das Leben. Auch hier in der Kurie gibt es von Seiten der verschiedenen Büros so viel Bereitschaft, den Orden zu animieren, anders als sonst, aber sehr wirksam. Fahren wir fort auf diesem Weg.

Ich wünsche einem jeden von euch, dass er auf dem Weg der Suche nach dem Herrn geht; dass ihr euch bewusst werdet, dass der Herr nie stehen bleibt, dass er daran festhält, uns entgegenzugehen, um uns anzutreffen, dass unser Herz, wenn wir den Herrn empfangen, der uns vorangeht und auf uns zukommt, sich öffnet für die Aufmerksamkeit für und die Begegnung mit den Brüdern.

Euch allen frohe Weihnachten und ein gutes Jahr 2021

Br. Robert Genuin OFMCap

* Video Botschaft schriftlich

 

Letzte Änderung am Dienstag, 22 Dezember 2020 12:54