Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

Log in
updated 9:30 AM UTC, Nov 27, 2021

Sechster Brief des Generalministers

Sechster Brief des Generalministers
COVID-19

 

Prot. Nr. 00773/20

An alle Höheren Oberen
an alle Brüder
an ihren Orten

Liebe Brüder,

Der Herr gebe euch den Frieden!

Schon seit einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, euch von neuem anzuschreiben, damit wir uns alle als miteinbezogen erfahren und miteinander ganz einfach teilen, was uns betrifft.

Wie wir wissen, nimmt die Pandemie ihren Lauf mit Ausschlägen, die sich zu verschiedenen Zeiten, in den verschiedenen Gegenden, in denen wir leben, und unter den besonderen Lebensbedingungen, die uns und unsere Tätigkeiten bestimmen, je unterschiedlich zur Geltung bringen. Hier in Europa gab es nach einer schwierigen Anfangssituation während einiger Monate relative Ruhe. In dieser Zeit konnten wir einige bedeutsame Ereignisse erleben, z.B. die Vereinigung der drei Provinzen von Zentralitalien - Umbrien, Abruzzen und Latium - zur neuen Provinz der Immacolata…, die Feier einiger Kapitel, die Seligsprechung von Karl Acutis in Assisi und die üblichen wiederkehrenden Feierlichkeiten für Padre Pio und den hl. Franziskus. Wir waren vor allem darauf bedacht, die Massnahmen, zu denen man uns riet, zu befolgen und so mögliche Ansteckungen zu vermeiden. So kam es bei den meisten Zusammenkünften zu keinen unliebsamen Folgeerscheinungen, mit Ausnahme des Kapitels von Krakau, an dem mehrere Brüder sich den Coronavirus zugezogen haben. Br. Piotr Stasiński, Generalrat, war ebenfalls betroffen; aber er scheint jetzt über den Berg zu sein.

In anderen Zirkumskriptionen - Spanien, Österreich, Slowenien und Kroatien - hat die Situation von Wirtschaft und Gesellschaft sowie die der Brüder dazu genötigt, dass die Provinziale und Räte nur die Wahlen durchführen liessen und dann das Kapitel verschoben. So geschah es auf einigen Kapiteln Nordamerikas: einige von ihnen wurden zwar abgehalten, aber man beschränkte sich auf das strikt Notwendige und verschob die Behandlung der Traktanden auf bessere Zeiten. Für andere Kapitel wurde darum nachgesucht, nur die Wahlen vornehmen zu können.

Derselbe Vorgang nahm seinen Lauf in weiteren Zirkumskriptionen auf dem ganzen Rest der Welt. Auf unserer Website könnt ihr den weiteren Fortgang der Dinge Schritt für Schritt mitverfolgen. In der Zwischenzeit und in Befolgung unserer Konstitutionen sind viele Zusammenkünfte, Kapitel oder andere Treffen, in der Hoffnung auf Besserung der Lage um einige Monate verschoben worden.Trotz der Schwierigkeit, dass man von Tag zu Tag sich neu organisieren muss, ist es gut, wenn man sich bewusst bleibt, dass das Leben nicht Halt macht. Vielleicht bietet es sogar die Gelegenheit, dass wir alle neu Atem fassen: wenn wir uns auch nicht von Person zu Person treffen können, brauchen wir deswegen nicht alle Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme fallen lassen, die wir geplant oder auf die Agenden unserer Konferenzen, Zirkumskriptionen und Kommissionen auf den verschiedenen Ebenen gesetzt haben. Viele haben sich mit den von der modernen Technologie geschaffenen Möglichkeiten ausgerüstet und führen so ihre Tätigkeit weiter. Das freut mich und ich lade alle ein, entsprechend ihrer Möglichkeiten dem Beispiel dieser Brüder zu folgen.

Da die Pandemie noch lange nicht zu Ende geht, müssen wir bei unserem klugen Verhalten bleiben. Das heisst, dass wir uns weiterhin an die persönlichen Schutzmassnahmen halten und auch an die gegenüber den anderen, wie wir unterdessen gut wissen können. Wenn die Zahl der angesteckten Brüder im Verhältnis zur Gesamtzahl der Brüder, die wir ausmachen, auch relativ klein ist (wenigstens nach den Meldungen, die an die Generalkurie gelangen), bleibt es dennoch wahr, dass für verschiedene Brüder unter uns der Coronavirus zum Zeichen der Heimkehr zum himmlischen Vater wurde. Bisher haben uns gut 50 Brüder aus diesem Grund verlassen; von den Letztverstorbenen war mehr als einer unter fünfzig Jahre alt. Für sie alle steige unser Gebet auf zu Gott; er möge sie barmherzig bei sich aufnehmen. Für uns geht es darum, in Verantwortung unseren Weg weiterzugehen.

Ihr werdet es verstehen, dass ich nach so vielen Monaten daran gehindert bin, euch zu besuchen. Aber es stimmt mich zuversichtlich, wenn ich weiss, dass viele von euch sich voll einsetzen und sogar die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, um jenen zu helfen, die in grösseren Schwierigkeiten stecken als wir. Es mag nur ein Tropfen sein, aber in den Augen Gottes ist dieser Tropfen wie ein weites Meer. Danke, im Namen des ganzen Ordens!

Voll Vertrauen können wir alle unser Leben und die Realitäten, in denen wir leben, und den ganzen Orden in die Hände Gottes legen. Stützen wir uns gegenseitig im beständigen Gebet und seien wir uns sicher, dass der Herr es wohl weiss, wie er das Schicksal eines jeden und das unserer ganzen Brüdergemeinschaft fügt.

Ich grüsse euch und bete, dass der Segen Gottes auf euch herabkomme!

Br. Robert Genuin     
Generalminister OFMCap

Rom, 29. Oktober 2020

Lade den Brief herunter

PDF Word
Letzte Änderung am Freitag, 12 Februar 2021 15:28